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EU-Ratsentschließung zur Jugendarbeit
EU-Ratsentschließung zur Jugendarbeit

Der Beschluss der EU-Jugendminister und -ministerinnen liefert eine umfangreiche Definition von Jugendarbeit und fordert ihre politische Anerkennung.


Fast eine kleine Sensation ist der Beschluss, den der Jugendministerrat auf seiner Sitzung am 19. November verabschiedete. Das Papier „On Youth Work“ enthält nichts weniger als eine Definition von Jugendarbeit, die europaweit Gültigkeit erhalten soll.

Jugendarbeit wird definiert als Aktivitäten im außerunterrichtlichen und Freizeit-Bereich, basierend auf nicht-formalen und informellen Lernprozessen sowie freiwilliger Teilnahme. Die Aktivitäten sind selbstgesteuert, mitgesteuert oder gemanagt unter pädagogischer Leitung entweder durch professionelle oder ehrenamtliche Jugendarbeiterund Jugendleiter. Sie wird auf verschiedenen Wegen organisiert und angeboten: von Jugendorganisationen, Trägern der Jugendarbeit und Jugendhilfe, informellen Gruppen und öffentlichen Behörden. In allen Mitgliedstaaten, so der Ministerrat, nehmen unzählige Kinder und Jugendliche, Fachkräfte der Jugendarbeit und Jugendleiter in verschiedenen Zusammenhängen an einer Bandbreite „reicher und unterschiedlicher Aktivitäten der Jugendarbeit“ teil.

 

Was aber besonders auffällt: Jugendarbeit wird als wichtiger und eingeständiger Bereich ausbuchstabiert. Und das geht allen, die in diesem Fachgebiet gerade in letzter Zeit um politische Anerkennung ringen mussten, runter wie Öl:

  •  Jugendarbeit spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung junger Menschen.
  •  Jugendarbeit bietet eine große Bandbreite an nicht-formalen und informellen Lerngelegenheiten.
  •  Jugendarbeit kann eine wohltuende, sichere, inspirierende und angenehme Umgebung schaffen, in der sich alle Kinder und Jugendlichen, sowohl als Individuen wie auch als Gruppe, ausdrücken können, voneinander lernen können, sich treffen, spielen, entdecken und experimentieren können.
  •  Jugendarbeit bietet eine große Bandbreite von Gelegenheiten, persönliche und professionelle Fähigkeiten zu erlernen, auch Schlüsselkompetenzen für eine moderne Gesellschaft, jedoch frei von Stereotypen. Sie kann Autonomie, Empowerment und Unternehmergeist fördern.
  • Jugendarbeit vermittelt universale Werte wie Menschenrechte, Demokratie, Frieden, Anti-Rassismus, kulturelle Unterschiede, Solidarität, Gleichheit und nachhaltige Entwicklung. Sie fördert soziale Teilhabe und Verantwortlichkeit, freiwilliges Engagement und aktive Bürgerschaft, sie stärkt die Gemeinschaftsbildung und die Zivilgesellschaft auf allen Ebenen.
  • Sie trägt damit zum Lebenslangen Lernen, zu sozialer Integration und Beschäftigung bei. Daneben hat sie ein beachtliches sozioökonomisches Potenzial, indem sie Wirtschaftsaktivitäten ankurbelt, Infrastruktur fördert, ökonomische Vorteile bringt und zur Jugendbeschäftigung beiträgt.

Die Qualität der Jugendarbeit aber müsse gefördert und unterstützt werden, so das Papier. Das beträfe vor allem die Kompetenzentwicklung der in der Jugendarbeit Tätigen und deren Anerkennung. Das Programm JUGEND IN AKTION habe dazu europaweit bereits einen wesentlichen Beitrag geleistet.


Die Mitgliedstaaten werden aufgefordert, Strategien für die Förderung von Jugendarbeit zu entwerfen, die neue Jugendstrategie umzusetzen und die Akteure der Jugendarbeit in ihre Entscheidungen einbeziehen. Die Kommission soll unter anderem eine Studie in Auftrag geben, welche die Situation und Wirkung der Jugendarbeit in der EU untersucht, für die Anerkennung nicht-formalen Lernens sorgen und anhand von Peer-Learning-Aktivitäten und Konferenzen den Austausch innovativer Forschung, Politik und Praxisansätze fördern. Mit Blick auf die Diskussionen der letzten Zeit wird deutlich gemacht, dass Jugendarbeit „voll in die Youth on the Move-Initiative integriert werden muss“, ebenso wie in alle anderen Programme und Politikbereiche, die Jugendliche betreffen.

 

Dass so schnell und so gründlich - vor einer Festlegung für eine neue Programmgeneration - eine Grundlage für die politische Anerkennung von Jugendarbeit und nicht-formaler Bildung vorliegt, hat maßgeblich die Belgische EU-Ratspräsidentschaft zu verantworten. Ausgehend von der Erneuerten Jugendstrategie 2010-2018, die der Jugendministerrat am 27. November 2009 verabschiedete und in der zum ersten Mal eine Definition von Jugendarbeit enthalten ist, über den 1. Europäischen Kongress zur Jugendarbeit in Gent im Juli, der mit einer „Ersten Europäischen Konvention zur Jugendarbeit“ endete, steuerte die Belgische Präsidentschaft zielsicher auf die nun erfolgte Anerkennung durch den Ministerrat zu. Damit können sich die Belgier auf die Fahne schreiben, was etlichen Präsidentschaften davor nicht gelang: Sie zogen durch, was sie mit ihren drei Jugendprioritäten (1.Jugendarbeit, 2. Jugendliche und Arbeit, 3. Europäische und internationale Agenda der Politik für Kinder, Jugendliche und Kindesrechte) versprochen hatten. Damit ist eine Marke gesetzt, die in der weiteren Diskussion nicht zu übersehen sein dürfte.


Redaktion: Jugend für Europa (www.jugendpolitikineuropa.de) / Quelle:Rat der Europäischen Union, 16.11.2010